24/02/2026 0 Kommentare
"Eva will's wissen" - der Sündenfall unter einem anderen Licht
"Eva will's wissen" - der Sündenfall unter einem anderen Licht
# Rückblick

"Eva will's wissen" - der Sündenfall unter einem anderen Licht
Zu einem besonderen Abendgottesdienst waren alle Gemeindemitglieder am vergangenen Sonntag ins Lutherhaus nach Kirchfeld eingeladen.

Zu Beginn des Gottesdienstes wurde jedem Besuchenden ein Apfel mit einer Banderole geschenkt, auf der stand: „Nicht essen.“ Viele nahmen es erstaunt zur Kenntnis. „Es ist schon gut, dass man nicht alles sofort darf“, meinte eine Besucherin mit einem Schmunzeln, ehe sie sich einen Platz suchte. Dieser kleine Impuls führte mitten hinein ins Thema des Abends: der altbekannten, aber immer wieder überraschend aktuellen Erzählung von Eva, der Schlange und dem Baum der Erkenntnis.
In einem szenischen Dialog spielten Birgit Reith und Nele Becherer die berühmte Begegnung nach. Schon hier wurde deutlich: Versuchungen sind selten eindeutig. Sie locken mit dem Versprechen von Erkenntnis, Freiheit und Selbstständigkeit und bleiben doch ambivalent. Pfarrer Albrecht Fitterer-Pfeiffer nahm diese vielschichtige Spannung in seiner Predigt auf. Er erinnerte daran, dass im biblischen Text an keiner Stelle von „Sünde“ die Rede ist - dies sei vielmehr eine spätere Zuschreibung, die den Blick auf die Erzählung lange verengt hat. Statt einer Schuldzuweisung an Eva erklang an diesem Abend ein anderes Verständnis: Eva als die erste, die wissen will. Als diejenige, die den Menschen zu kritischem Denken, moralischer Unterscheidung und damit überhaupt erst zur Verantwortungsfähigkeit führt. Erkenntnis - so wurde spürbar - ist ein Geschenk, aber eines mit Konsequenzen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Erzählung keine göttliche Legitimation für Machtstrukturen bietet, sondern erklären will, warum die Welt ist, wie sie ist und gerade nicht, wie sie sein soll.
Ein besonders schöner Moment war die Taufe von Konfirmandin Malia, die sich ganz bewusst unter Gottes Schutz stellte und ihren Taufwunsch mit einem deutlichen „Ja“ bekräftigte. Mit dem Segen und dem Schlussstück von Organistin Edeltraudt Stahl endete der Abendgottesdienst. Der kleine Apfel, den manche am Ende noch immer in der Hand hielten, wurde zum Sinnbild dieses Abends: für die Lust am Wissen, für die Verantwortung, die daraus erwächst und für die Hoffnung, dass Gott alle Menschen auf diesem Weg begleitet.
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